Gefährliche Körperverletzung (§ 224 StGB) – Verfahrenseinstellung nach Anklageerhebung nach Aufdeckung massiver Zeugenwidersprüche und Berücksichtigung einer psychischen Ausnahmesituation

Die Staatsanwaltschaft erhob gegen unsere Mandantin und ihren Ehemann Anklage wegen des Vorwurfs der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung (§ 224 StGB). Demnach sollte die Mandantin in der Küche eines Hotels eine Arbeitskollegin an den Haaren zu Boden gerissen und auf sie eingeschlagen haben, während ihr Ehemann zeitgleich mit einem Messer gedroht und auf die Geschädigte eingetreten haben soll. Ein solches Delikt zieht im Falle einer Verurteilung im Regelfall eine erhebliche Freiheitsstrafe nach sich und stellte für die Mandantin eine immense Belastung dar.

Akribische Aufarbeitung des Tatvorgangs

Da die Mandantin zum Zeitpunkt des Vorfalls unter erheblichen psychischen Belastungen litt und die deutsche Sprache nicht fließend beherrschte, legte Rechtsanwalt Stern besonderen Wert auf eine barrierefreie Kommunikation. In mehreren intensiven Sitzungen mit einer Dolmetscherin wurde der Sachverhalt detailliert rekonstruiert. Diese Termine waren entscheidend, um die Perspektive der Mandantin präzise zu erfassen: Eine vorausgegangene Provokation durch die Geschädigte und die Tatsache, dass die Mandantin zum Tatzeitpunkt aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen an einer schweren depressiven Störung litt und sich bereits in ärztlicher Behandlung befand.

Strategie: Erschütterung der Beweislage

In der umfassenden Stellungnahme an das Gericht legte Rechtsanwalt Stern die eklatanten Widersprüche in den Aussagen der Belastungszeugen offen. Während eine Zeugin von Tritten berichtete, erwähnte eine andere diese mit keinem Wort.  Auch die Angaben zum Einsatz eines angeblichen Tatwerkzeugs (ein Buttermesser) divergierten massiv. Durch diese detaillierte Gegenüberstellung konnte dargelegt werden, dass ein hinreichender Tatverdacht für eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung nicht aufrechtzuerhalten war.

Zudem wurde die besondere Schutzbedürftigkeit der Mandantin thematisiert, die sich zum Zeitpunkt der Antragstellung bereits in stationärer Krankenhausbehandlung befand. Die Verteidigung verdeutlichte, dass eine öffentliche Hauptverhandlung eine unzumutbare Belastung für die gesundheitliche Genesung der Mandantin darstellen würde.

Erfolgreiche Einstellung des Verfahrens

Die fundierte Argumentation und die Aufdeckung der Beweislücken überzeugten das Gericht und die Staatsanwaltschaft. Das Verfahren wurde schließlich gemäß § 153a StPO gegen eine geringe Geldauflage eingestellt.

Damit konnte für die Mandantin eine belastende Gerichtsverhandlung sowie die Gefahr einer Vorstrafe abgewendet werden. Das Ergebnis ermöglichte es ihr, sich vollumfänglich auf ihre gesundheitliche Genesung zu konzentrieren, ohne durch ein langwieriges Strafverfahren weiter destabilisiert zu werden.